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Max von Schillings

Vor 100 Jahren galt der 1868 in Düren geborene Max von Schillings als einer der herausragenden deutschen Komponisten und Musikerpersönlichkeiten. Seine 1932 erfolgte Wahl zum Präsidenten der Preußischen Akademie der Künste schien diese Stellung noch einmal zu bestätigen. Aber gerade dieses renommierte Amt trug dazu, dass Schillings nach dem Krieg nahezu in Vergessenheit geriet. Denn als die Akademie nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler 1933 völlig unter NS-Kontrolle kam, verband sich sein Name mit den beschämenden Maßnahmen zur politischen Gleichschaltung der Institution. Dazu zählte insbesondere auch die antijüdische Agitation, unter der beispielsweise der brillante Komponist Arnold Schönberg zu leiden hatte. Auch wenn der 1933 schon schwer an Darmkrebs leidende Schillings unter erheblichem politischen Druck stand, besteht kein Zweifel daran, dass ihm – wie so vielen Repräsentanten des deutschen Kulturlebens damals – antisemitische Ressentiments alles andere als fremd waren. Schillings starb bereits im Juli 1933, aber seine kurze Akademie-Präsidentschaft reichte aus, um seinen Ruf nachhaltig zu beschädigen. Erst nach Jahrzehnten wurde er als Komponist wiederentdeckt, wobei sich – wie zu seinen Lebzeiten – hohes Lob und Kritik abwechselten.

SchillingsMax

Max von Schillings war ein Sohn des Gutsbesitzers Carl Schillings (1821-1896) und dessen Ehefrau Johanna Brentano (1839-1885). Obwohl er erst später geadelt wurde, wuchs er in einem privilegierten Umfeld auf. Seine Familie konnte auf reiche und vornehme, ja sogar berühmte Beziehungen verweisen. Sein Vater war nicht nur Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses, sondern auch mit bedeutenden Unternehmerfamilien der Nordeifel verwandt. Über seine Mutter war Schillings Angehöriger der hochberühmten Dichter- und Denkerfamilie der Brentanos und Urgroßneffe von Clemens von Brentano und Bettina von Arnim. Der berühmte Afrikaforscher und Filmpionier Carl Georg Schillings war sein älterer Bruder.

1892 übersiedelte Schillings dauerhaft nach München und ragte dort rasch aus der Fülle der Komponisten hervor. Bereits 1896 wurde seine erste Oper Ingwelde in Karlsruhe aufgeführt – für den erst 26-jährigen Musiker ein Erfolg, der ihn schlagartig berühmt machte. Um die Jahrhundertwende galt Schillings als hell leuchtender Stern am Musikhimmel. Neben dem überragenden Einfluss seines Idols Richard Wagner war Richard Strauss für ihn besonders wichtig:

„In ihren jungen Münchner Jahren waren Max von Schillings und Richard Strauss zwei unzertrennliche Hitzköpfe und Kampfgenossen, die tapfer gegen die alteingesessenen Philister der Stadt vorgingen“ (B. Robinson).

In der maßgeblichen Fachzeitschrift Allgemeine Musikzeitung wurde Schillings 1899 als das „augenblicklich wohl bemerkenswerteste und eigenartigste musikalisch-dramatische Talent“ bezeichnet. Diesen Ruf hatte er sich nach Ingwelde mit  sinfonischen Fantasien wie Seemorgen erworben, aber auch zahlreichen anderen Werken; später wurde die Oper Mona Lisa (1915) sein bekanntestes Werk. Dabei war Schillings gerade in München nicht unumstritten. Erstaunlicherweise richtete sich die Kritik gegen seine von vielen Zeitgenossen so empfundene Modernität. Erst im 20. Jahrhundert geriet der Spätromantiker Schillings in den Ruf, musikalisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit zu sein. Das hing nicht zuletzt mit dem Schaffen Schönbergs zusammen, dessen revolutionären Kompositionen Schillings mit ähnlichem Unverständnis begegnete wie etwa auch Gustav Mahler.

1903 wurde dem Dürener vom Prinzregenten Luitpold der Professorentitel verliehen; später kamen weitere Auszeichnungen – vom Ehrendoktortitel bis zur Goethemedaille für Wissenschaft und Kunst (1932) – hinzu. 1908 wurde Schillings Generalmusikdirektor des Stuttgarter Hoftheaters. Noch größere Aufmerksamkeit in der Kulturszene erregte 1919 seine Wahl zum Intendanten der Preußischen Staatsoper zu Berlin. Damit war die schwierige Aufgabe verbunden, einerseits das Opernhaus durch eine wirtschaftlich extrem schwierige Zeit zu führen und andererseits programmatisch einen akzeptierten Weg durch die heftigen Gegensätze zwischen Neuerern und Traditionalisten zu finden. Trotz seines konzilianten Naturells nahmen die Konflikte zu, vor allem mit dem preußischen Kultusminister C. H. Becker. 1925 wurde Schillings fristlos entlassen, wofür er den angeblichen jüdischen Einfluss auf Politik und Kulturleben mitverantwortlich machte.

Auch privat gab es ein Auf und Ab. 1923 war seine 1891 geschlossene Ehe mit seiner Kusine Caroline Peill nach bitteren familiären Konflikten geschieden worden, kurz darauf hatte er die aus Cochem stammende berühmte Opernsängerin Barbara Kemp geheiratet. Gegen Ende seines Lebens war Max von Schillings oft deprimiert. Er sprach von „unserer abscheulich degenerierten und tragisch zerrissenen Zeit“ und sparte in in dem düsteren Bild sich selbst nicht aus: „So ist man eine vergangene Größe geworden.“ Max von Schillings  fand seine letzte Ruhe in der Brentano-Gruft der eindrucksvollen Gruftenhalle des Frankfurter Hauptfriedhofs.

Dieser Beitrag erschien erstmalig in der Eifel-Zeitung (Daun) vom 7. Oktober 2015

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