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Ludwig Mathar

In einem 1978 erschienenen Beitrag zum 20. Todestag von Ludwig Mathar bezeichnete Walter Reuter den verstorbenen Dichter als „eine der bekanntesten Persönlichkeiten des Monschauer Landes“. Diese Einschätzung war sicher richtig, stellte jedoch gleichzeitig eine erhebliche Unterschätzung von Mathars Wirkungsfeld dar. In den Jahrzehnten seiner schriftstellerischen Tätigkeit vom Ersten Weltkrieg an bis in die Zeit der frühen Bundesrepublik hatte sich der 1882 in Monschau geborene Mathar als Autor weit über den lokalen Rahmen seines Geburtsorts hinaus einen Namen gemacht. Die Gesamtauflage seiner in Buchform veröffentlichten Arbeiten wird auf über 300 000 geschätzt.

Grundlegende Angaben zur Biographie Mathars verdanken wir seinem Sohn Albertus. Danach führt die Familiengeschichte zurück auf Stammvater Matthieu Collin, genannt Mathard, der aus dem wallonischen Sart-lez-Spa stammte – also aus jener Gegend, aus der vor Jahrhunderten etliche Fachkräfte in die Eisenverhüttungsgebiete der Eifel abwanderten und dort zu den Vorfahren vieler heutiger Eifler wurden. Passend zu dieser Herkunft finden sich in den weiteren Mathar-Generationen zahlreiche Schmiede, zunächst in Eupen, dann in Monschau. Thilmann Mathar, des Dichters Vater, hatte als erster den Handwerkerstand verlassen und arbeitete im kaufmännischen Bereich als Versicherungsagent, Zigarrengroßhändler und   Buchhalter. Seine Ehefrau Anna geb. Osländer führte erfolgreich ein Textilgeschäft und einen großen Laden in Monschau.

Häufiger als auf all diese Vorfahren wird in den Biographien Ludwig Mathars jedoch auf den Einfluss seines Großonkels Don   Bonifacio Osländer hingewiesen, der 1895 Abt des Klosters  St. Paul vor den Mauern Roms geworden war und seinen Großneffen Ludwig tief beeindruckte. Dieser Einfluss trug dazu bei, dass der abenteuerlustige Münstereifler Konviktorist Ludwig selbst in die Ewige Stadt reiste und Benediktiner werden wollte. Daraus wurde nichts Dauerhaftes; wieder in die Heimat zurückgekehrt, machte Ludwig 1902 am Kaiser-Karls-Gymnasium in Aachen Abitur. Auf das Studium der Germanistik, Romanistik und Anglistik mit einem Auslandssemester in Paris folgte 1907 die Staatsprüfung für das Höhere Lehramt in Deutsch,  Englisch und Französisch, anschließend Wehrdienst und 1909 die Promotion zum Doktor der Philosophie. 1911 trat Studienreferendar Dr. Mathar seine erste Lehrerstelle im wohlvertrauten Münstereifel an.

Noch vor dem Weltkrieg heiratete er gegen elterlichen Widerstand seine Jugendliebe Mathilde Kühn. Als Mathilde Mathar nach langer Krankheit 1926 starb, schrieb er voller Trauer über sie:

„Sie war seine Stärke, wenn er müde war, in  allen geistigen und weltlichen Dingen seine kluge  Beraterin. Wohin er ging, folgte sie ihm, im Frieden wie  im Kriege. Sie war froh, wenn sie an seiner Seite war.“

Im Weltkrieg war der als Reserve-Leutnant einberufene Lehrer Dr. Mathar bereits nach wenigen Wochen schwer verwundet worden. Als er sich davon einigermaßen erholt hatte, wurde er im weiteren Kriegsverlauf als Lehrer in Offiziersschulen und als Dolmetscher eingesetzt.

Nach der Kriegsheimkehr verdiente Mathar zunächst wieder sein Brot als Lehrer. Als Schriftsteller wurde er erstmals 1922 bekannt durch die Veröffentlichung seines Erstlingsromans Die Monschäuer. Obwohl Mathar mit dem Gedichtband Auch ich war dabei schon während des Krieges frühe literarische Schritte als Dichter gewagt hatte, ließ erst dieser umfangreiche Roman aus dem westlichsten Deutschland (so dessen Untertitel) die heimatliterarisch Interessierten aufhorchen. Auch in den folgenden Jahrzehnten konzentrierte sich Mathar mit seinen Erzählungen und Romanen auf die geliebte deutsch-belgische Grenzlandschaft, daneben faszinierten ihn besonders Italien und Rom. Spätestens der Erfolg seines Buches Primavera. Frühlingsfahrten ins unbekannte Italien (1926) mit über 50 000 verkauften Exemplaren machte Mathar zum Bestsellerautor.

Auf der Basis dieses Erfolgs konnte der verwitwete Lehrer es sich 1928 leisten, dem Schuldienst Ade zu sagen und sich ganz dem Schriftstellerberuf zu widmen. 1941 musste er allerdings wieder aus wirtschaftlicher Not den umgekehrten Weg gehen und erneut als Lehrer arbeiten. Die Verhältnisse hatten sich inzwischen in mehrfacher Hinsicht geändert. Einerseits war Mathar in zweiter Ehe mit Maria Breuer (1903-1971) Vater dreier Kinder geworden. Zum anderen hatte der schriftstellerische Erfolg nachgelassen, woran auch Mathars vielseitige und enorme Produktivität nichts ändern konnte. Mathar war zwar – vermutlich, um weiter publizieren zu können – Mitglied der NSDAP geworden, aber als ausgeprägt katholischer Autor blieb seine ideologische Distanz zum Nationalsozialismus spürbar. In seinem letzten Lebensjahrzehnt wurde der 1958 nach zweijähriger Krankheit verstorbene Ludwig Mathar in Monschau vielfach geehrt, unter anderem mit der Ehrenbürgerwürde. Heimatpathos, Heimatverklärung, aber auch liebevoller Humor und geschichtliches Wissen kennzeichnen die Werke des Monschauers, von denen einige in jüngerer Zeit neu verlegt wurden. Ludwig Mathar bleibt eine denkwürdige Persönlichkeit der rheinischen Literatur des 20. Jahrhunderts.

Dieser Beitrag erschien erstmalig in der Eifel-Zeitung (Daun) vom 15. Juli 2015.

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