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Johann VII. von Schönenberg

„Kaum einer der Erzbischöfe hat mit so großer Beschwernis, mit solchem Verdruß und unter solcher Not die Diözese regiert wie Johann“, schrieb der 1639 verstorbene Trierer Priester und Geschichtsschreiber Johann Linden über seinen Namensvetter Johann von Schönenberg.

Auch aus eigener Erinnerung wusste Linden, dass in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts fast ununterbrochen widrige Wetterverhältnisse geherrscht hatten, die zu Misswuchs auf den Feldern, Mangel an Brotgetreide, Hunger und Seuchen führten. Johann von Schönenberg gehörte zu denjenigen „ideologisch verblendeten Hexenbischöfen“ (W. Behringer) seiner Zeit, die eine Hauptursache für diese Katastrophen im Wirken von Hexen und Dämonen erblickten. In seine Regierungszeit fällt der grausige Höhepunkt der Hexenverfolgung im Trierer Land.

Der spätere Fürstbischof von Schönenberg kam 1525 auf Burg Hartelstein bei Schwirzheim als Sohn des Amtmanns Johann von Schönenberg und dessen Ehefrau Eva Weyher von Nickenich zur Welt. Von seinen Brüdern ist Georg von Schönenberg (1530-1595) historisch bedeutsam, der als Fürstbischof von Worms ebenfalls eine außerordentlich hohe gesellschaftliche Stellung erreichte. Für das biologische Fortleben des schönenbergschen Erbes wurde besonders Johanns Schwester Anna bedeutsam, aus deren Ehe mit Philipp Kratz von Scharfenstein zahlreiche Kinder hervorgingen; zu diesen zählte Philipp II. Kratz von Scharfenstein, der 1604 als Bischof von Worms starb. Die Verbindung dieser Schönenberg-Familie mit Burg Hartelstein war 1470 entstanden, als Philipp von Schönenberg – der Großvater der Kurfürsten Johann und Georg – Lyse von der Leyen geheiratet hatte, die durch ihre Mutter Eva von Wiltz Miterbin der Burg Hartelstein war. Eva von Wiltz wiederum war Abkömmling nahezu aller wichtigen Adelsfamilien der Westeifel wie etwa den Herren von Schönecken oder von Brandscheid. Auf diese Weise kamen die von Schönenberg in den Besitz zahlreicher Herrschaftsrechte im Westeifelraum. Besonders eng wurde die Verbindung mit Kyllburg, wo Verwandte von Johann über Jahrhunderte hinweg Amt- und Burgmänner stellten. Auch die Ahnen von Johanns Mutter Eva Weyher von Nickenich entstammten überwiegend Eifler Adelsfamilien.

Johann von Schönenberg durchlief – unter anderem als Domkapitular, Domkustos und Domprobst – die bekannten Bahnen einer hohen Adelskarriere im Dienst der trierischen Kirche. Als der tiefreligiöse und bescheiden auftretende Mittfünfziger 1581 zum Erzbischof und Kurfürsten von Trier gewählt wurde, dürften bei dieser Entscheidung neben den verwandtschaftlichen Beziehungen Johanns vor allem seine administrativen Fähigkeiten eine Rolle gespielt haben, die er auch als Stadtkommandant von Trier und als Rektor der Trierer Universität unter Beweis gestellt hatte. Gleich nach Amtsantritt zeigte sich, dass der neue Fürstbischof aus dem zeittypisch harten Holz vieler damaliger katholischer Kirchenfürsten geschnitzt war. Aufgewachsen in den ersten Jahrzehnten nach der Reformation waren sie meist ganz durchdrungen vom Geist der Gegenreformation und entschlossen, die katholische Religion nicht nur zu verteidigen, sondern vielmehr im Existenzkampf der Konfessionen auf allen Ebenen in die Offensive zu gehen. In seinem Feldzug gegen das im Bistum verbliebene „Unkraut der Häresie“ (J. Linden) setzte Johann VII. die Politik seiner Amtsvorgänger fort und vertrieb weitere Protestanten – darunter angesehene Bürger wie den Zunftmeister der Goldschmiede – aus Trier. Vertreibungsedikte erließ Kurfürst Johann auch gegen die im Erzstift wohnenden Juden; damit gab er einem entsprechenden hartnäckigem Drängen aus der Bevölkerung nach.

Im Kampf gegen das angebliche Hexenunwesen konnte Erzbischof Johann vor allem auf seinen engsten Mitarbeiter, den theologisch und kirchenrechtlich versierten Weihbischof Dr. Peter Binsfeld zählen. Die 1589 erfolgte Veröffentlichung von Binsfelds einflussreichem Hexentraktat fiel ebenso in die Amtszeit Johanns wie die im gleichen Jahr vollzogene aufsehenerregende Hinrichtung des Trierer Juristen und Stadtschultheißen Dr. Dietrich Flade wegen Hexerei. Es besteht kein Zweifel, dass Johann selbst an das schädliche Wirken von Hexen und Dämonen glaubte, auch wenn schon damals der Vorwurf aufkam, dass Habgier eine Hauptrolle bei den vielen Hexenprozessen spielte. Intellektueller Hauptwidersacher Binsfelds und des Kurfürsten war der in Trier lehrende Theologe Cornelius Loos, der die Hexenverfolgung heftig attackierte: „Die Richter und auch den Erzbischof von Trier nannte er Tyrannen, die aus Menschenblut Gold und Silber herauspreßten“ (Emil Zenz). Demgegenüber sah sich der Kurfürst nicht zuletzt wegen schmerzhafter Gebrechen selbst als Opfer dämonischer Kräfte. Kurfürst Johann starb 1599 in Koblenz, wohin er sich auch wegen der in Trier grassierenden Pest zurückgezogen hatte. Im Trierer Dom bewahrt der von Hans Ruprecht Hoffmann eindrucksvoll gestaltete Grabaltar die Erinnerung an den gegen sich und andere allzu strengen Kirchenfürsten.

Dieser Beitrag erschien erstmalig in der Eifel-Zeitung (Daun) vom 1. Juli 2015.

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