Kinder der Eifel

Jakob Vogt

Ein denkwürdiges Phänomen der Sportgeschichte: Ende der 1920er Jahre hielten zwei Eifler die schwergewichtigsten Weltrekorde im Gewichtheben in ihren starken Händen: Paul Trappen aus Heidweiler und Jakob Vogt aus Ochtendung. Während der in Trier lebende mythenumwobene Metzger und Gastwirt Trappen im Dreikampf 1928 das Rekordgewicht von 382,5 kg gestemmt hatte, steigerte der zurückhaltende Straßenarbeiter Vogt 1929 seinen eigenen bisherigen Weltrekord auf 365 kg Man könnte durchaus darüber streiten, welche Kraftleistung höher zu bewerten war, denn Vogt durfte als Halbschwergewichtler nicht mehr als 82,5 kg wiegen, während Trappens muskelbepacktes Körpergewicht jenseits der 100 kg lag. Für die befreundeten Sportkameraden war diese…

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Johann Baptist Baltzer

Der bedeutende katholische Dogmatiker J. B. Baltzer wurde im Juli 1803 als Sohn einer Kaufmannsfamilie geboren. Sein aus dem Sauerland stammender Vater hatte 1779 als „Eisenbaltzer“ in Andernach eine Eisenhandelsfirma begründet, die heute noch Stahlhandel in Andernach betreibt. J. B. Baltzers Mutter war die Andernacher Kaufmannstochter Christina Kemp. Baltzers Werdegang zum Theologen begann in konventionellen und rheinheimatlichen Bahnen. Progymnasium in Andernach, Abitur in Köln, ab 1823 Studium der Theologie in Bonn, 1828 Repetent am Konvikt in Bonn, schließlich 1829 die Priesterweihe. Wie stark bereits diese Jahre mit theologisch-philosophischer Gelehrsamkeit ausgefüllt waren, zeigte sich 1830, als Baltzer von der Universität München…

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Karl Hau

Am 23. Juli 1907 wurde der Rechtsanwalt Karl Hau von der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Karlsruhe wegen Mordes zum Tode verurteilt.  Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 26-jährige Angeklagte 1906 in Baden-Baden seine Schwiegermutter, die Medizinalratswitwe Josefine Molitor, durch den Rücken ins Herz geschossen hatte. Der „Fall Hau“ erregte von Anfang an enorme Aufmerksamkeit – sogar international.  Der „erste große Sensationsprozess der deutschen Kriminalgeschichte“ (U. Zander) wurde bis heute vielfach juristisch und rechtspolitisch unter die Lupe genommen, literarisch und journalistisch ausgewertet und nicht zuletzt auch filmisch thematisiert.  Karl (auch: Carl) Hau kam 1881 in Großlittgen als Sohn des…

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Reinhold Mannkopff

Reinhold Mannkopff wurde 1894 als ältester Sohn des aus dem pommerschen Köslin stammenden Wittlicher Landrats Georg Mannkopff und dessen Ehefrau Anna Frech geboren. Seiner Herkunft nach lagen Welten zwischen dem evangelischen Landratssohn und seinen Zeitgenossen im Kreis Wittlich. Während damals über 90% der Beschäftigten im Landkreis in der Landwirtschaft arbeiteten, gehörten seine Vorfahren seit Generationen zum höheren Bürgertum. Beide Großväter waren erfolgreiche Juristen: sowohl der Justizrat und Notar Julius Mannkopff als auch Dr. Friedrich Frech, der es bis zum Senatspräsidenten am Berliner Kammergericht gebracht hatte. Sowohl bei den Mannkopffs als auch bei den Frechs waren aber auch namhafte Nichtjuristen vertreten,…

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Moritz Lieber

1792 wurde auf Schloss Blankenheim, dem Sitz der „Hochgräflichen Manderscheid-Sternberg-Blankenheim- und Gerolsteinischen Regierung“ dem „Regierungssekretär“ – also gewissermaßen Minister – Gisbert Lieber und seiner Gattin Adelheid der Sohn Moritz geboren. Wie man im Nachhinein feststellen kann, war dies ein historisch folgenreiches Ereignis: Sowohl Moritz Lieber als auch dessen Sohn Ernst wurden zu Hauptvorkämpfern des deutschen politischen Katholizismus im 19. Jahrhundert. Moritz Liebers Mutter, auf Schloss Dollendorf geboren, war eine Tochter von Carl Philipp Roesgen. Ihre Familie gehörte seit Generationen zur Verwaltungselite der Grafen von Manderscheid-Blankenheim, wohingegen die Vorfahren des im hessischen Camberg geborenen Gisbert Lieber ursprünglich aus dem Graubündener Bergbauerndorf…

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Josef Koch

Sogar wenn herausragende Geistesgrößen internationale Berühmtheit erlangt haben, wird leicht übersehen, wieviel akribische Forschungsarbeit nötig war und ist, um deren Werk und Leistung genau zu erschließen, zugänglich und verständlich zu machen. Sorgfältige Analyse der kulturellen Vorgeschichte und Zeitumstände ist nötig, um richtig einschätzen zu können, wie Ideen den weiteren Verlauf der Menschheitsgeschichte beeinflussten. An Bekanntheit stehen die Gelehrten, die zu dieser unersetzlichen Arbeit beitragen, meist deutlich hinter den großen Namen zurück. So verhält es sich auch bei dem Mediävisten Josef Koch, der zu den großen Erforschern des europäischen mittelalterlichen Denkens gehört. Er zählt zu denjenigen Intellektuellen, die die Perspektive auf…

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Philipp Freiherr von Boeselager

B 145 Bild-F081237-0014 Vor allem in den letzten Jahrzehnten seines langen Lebens wurde der 2008 verstorbene Philipp Freiherr von Boeselager in der deutschen Öffentlichkeit als eine Hauptpersönlichkeit des militärischen Widerstands gegen Hitler wahrgenommen und gewürdigt. Als Zeitzeuge fühlte sich Boeselager bis zuletzt verpflichtet, vor allem die Jugend über die Widerständler gegen Hitler und ihre Motive zu informieren. In zahlreichen Vorträgen und Interviews gab er, obwohl ihn die Erinnerung belastete, bereitwillig Auskunft über seine Biographie und stellte sich noch drei Wochen vor seinem Tod den Fragen des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher. Philipp von Boeselager kam 1917 als Sohn von Albert Freiherr von…

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Franz Karl von Hompesch

Während heutzutage Parteizugehörigkeit und Parteikarriere für die Übernahme eines Regierungsamts entscheidend sind, galten jahrhundertelang andere Maßstäbe. Zugehörigkeit zum Adel war ein grundlegendes Kriterium; in der Neuzeit kam immer stärker die besondere fachliche Qualifikation hinzu. Ein typisches Beispiel für dieses Zusammenspiel bildet die Biographie des 1735 auf Schloss Bollheim in Oberelvenich (heute Teil von Zülpich) geborenen Politikers Franz Karl von Hompesch. Franz Karl war der Erstgeborene des Erboberjägermeisters und Generalbuschinspektors Johann Wilhelm von Hompesch und dessen Ehefrau Isabella von Bylandt-Schwarzenberg zu Rheydt. Zu Recht heißt es in der berühmten Eiflia illustrata von Schannat-Bärsch: „Das alte noch blühende Geschlecht der von Hompesch…

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Christian Eduard Böttcher

Auch wenn heutzutage das Internet Gelegenheit bietet, sich einen Eindruck von Werken Christian Böttchers zu verschaffen, so ist es nicht ohne Reiz zu lesen, wie seine Kunst zu seinen Lebzeiten dem Publikum vorgestellt wurde. Der Maler und Kunstkritiker Hermann Becker (1817–1885) schrieb in der damals auflagenstärksten deutschen Zeitschrift Die Gartenlaube: „Wir brauchen nur an sein Bild zu erinnern, wo das lustige Volk von Malern und Studenten vor dem Wirthshause hoch oben über dem kleinen Städtchen in der Weinlaube zecht, wo auf Treppe und Vorplatz Land- und Stadtvolk verkehrt und den Pfad von der Stadt herauf der unvermeidliche Tourist auf dem…

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Friedrich Breitbach

Deutschlands älteste Stadt erlebte in ihrer über 2000-jährigen Geschichte viele finstere Zeiten. Neben den Verwüstungen beim Zusammenbruch des spätrömischen Imperiums und den Zerstörungen durch Wikinger am Ende des 9. Jahrhunderts gehört auch die Endphase des Zweiten Weltkriegs zu Triers dramatischsten Notzeiten. Im Herbst 1944 mussten die meisten Trierer auf Befehl der NS-Machthaber ihre Stadt verlassen, von den Verbliebenen kamen Hunderte bei den verheerenden alliierten Bombenangriffen im Dezember 1944 ums Leben. Zudem lag ein Großteil der Stadt – darunter etliche Bauwerke von herausragendem kulturellen Wert – in Schutt und Asche. Mit dem Einmarsch von US-Truppen am 2. März 1945 begann für…

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