Kinder der Eifel

Heinrich Hildebrand

Vor dem Ersten Weltkrieg rückte das uralte Kaiserreich China immer stärker ins Blickfeld europäischer Mächte. Auch für das wilhelminische Deutschland wurde China wirtschaftlich und machtpolitisch so wichtig, dass es sich dort als Kolonialmacht etablieren wollte. Zunächst erfolgreich: 1898 wurde das Gebiet Kiautschou an der Ostküste mit seiner Hauptstadt Tsingtau für 99 Jahre gepachtet. In China selbst wollten Revolutionäre die Monarchie beseitigen, zudem gab es gewalttätige Auseinandersetzungen über den Umgang mit den Fremden. Im „Boxerkrieg“ erreichten die Konflikte um die Jahrhundertwende einen blutigen Höhepunkt. Kaiser Wilhelm II hielt seine berüchtigte „Hunnenrede“, in der er die deutschen Soldaten  aufforderte, sich in China so…

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Guido Ilges

Der 1835 in Ahrweiler als Sohn des Rechnungsrats Daniel Ilges geborene Guido Ilges zählt  unter Kennern der Geschichte des Wilden Westens zu den bekanntesten Soldaten aus der Zeit der Indianerkriege. Die tragische Geschichte berühmter Indianerstämme von den Apachen bis zu den Sioux ist dauerhaft mit der Biographie dieses Eifler Offiziers verbunden. Der amerikanische Lebensweg von Ilges begann kurz nach seiner Schulzeit an einem Kölner Gymnasium. Bei der Frage nach den Motiven seiner Emigration ist man auf Vermutungen angewiesen. Vieles spricht dafür, dass es nicht die Absicht war, sich als Farmer ein friedliches Leben aufzubauen oder als Geschäftsmann reich zu werden,…

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Max von Schillings

Vor 100 Jahren galt der 1868 in Düren geborene Max von Schillings als einer der herausragenden deutschen Komponisten und Musikerpersönlichkeiten. Seine 1932 erfolgte Wahl zum Präsidenten der Preußischen Akademie der Künste schien diese Stellung noch einmal zu bestätigen. Aber gerade dieses renommierte Amt trug dazu, dass Schillings nach dem Krieg nahezu in Vergessenheit geriet. Denn als die Akademie nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler 1933 völlig unter NS-Kontrolle kam, verband sich sein Name mit den beschämenden Maßnahmen zur politischen Gleichschaltung der Institution. Dazu zählte insbesondere auch die antijüdische Agitation, unter der beispielsweise der brillante Komponist Arnold Schönberg zu leiden hatte.…

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Benedikt Reetz OSB

Seit einigen Jahren wird der 14. März – 3/14 in amerikanischer Schreibweise – von Freunden der Kreiszahl Pi als internationaler „Pi-Tag“ gefeiert. In dem bis 1969 selbständigen Nordeifelort Ripsdorf könnte man dieses Datum auch als „Abt-Reetz-Tag“ begehen. Am 14. März 1897 wurde dort der bedeutendste Sohn des Ortes geboren: Benedikt Reetz. Dessen Familienname, abgeleitet von der Gemeinde Reetz, die wie Ripsdorf ebenfalls 1969 in Blankenheim eingemeindet wurde, deutet auf weit zurückreichende Verwurzelung im Blankenheimer Raum hin. In Ripsdorf betrieben Matthias Reetz und seine Ehefrau Anna Maria Graf, die Eltern des Abts, eine Gastwirtschaft und versuchten, zusätzlich mit Ackerbau ihre zehnköpfige…

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Maria Eulenbruch

Die 1899 in Kelberg geborene Maria Eulenbruch gehörte nicht nur nach Einschätzung des Kunsthistorikers Dr. Holger Brülls „zu den großen Talenten der Bildhauerei in der Zeit der Weimarer Republik“. Längere Zeit fast in Vergessenheit geraten, wird ihre religiös geprägte Kunst neuerdings wieder deutlich stärker beachtet. Ihr Leben war nicht nur durch ihren Geburtsort mit der Eifel verbunden, sondern auch durch ihren langjährigen ostbelgischen Wirkungsort Raeren. In diese Gemeinde im Eifler Grenzgebiet, die seit Jahrhunderten für ihre Töpfertradition und ihre Keramikmeister bekannt ist, zog sie nach dem zweiten Weltkrieg; dort verstarb sie 1972. In Kelberg verbrachte Maria nur ihre ersten Lebensjahre.…

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Adolph Sutro

Ein deutscher Jude vom Nordrand der Eifel gehört zu den berühmtesten Pionieren des US-Bundesstaats Kalifornien. Der 1830 in Aachen geborene Adolph Sutro war eines von 13 Kindern der Eheleute Emanuel Sutro (1791–1847) und Rosa Warendorff (1803–1883). Sein Vater, in Bruck (Erlangen) geboren, betrieb nach der Heirat mit der gebürtigen Dürenerin in Aachen ein Textilgeschäft. Auch wenn es später manchem so erschien, als sei der Aufstieg Sutros in den USA gleichsam aus dem Nichts erfolgt, so trug der preußische Emigrant doch zumindest ein genealogisches Erbe im Gepäck, das es in sich hatte. Zwei Beispiele aus seiner väterlichen Verwandtschaft: Adolphs hoch gelehrter…

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Matthias Joseph Scheeben

Unter den zahlreichen Theologen, die die Eifel hervorgebracht hat, ragt Matthias Scheeben einzigartig heraus. Von Nikolaus von Kues abgesehen fällt bei keinem anderen so oft das Stichwort „Genie“ wie bei diesem 1835 in Meckenheim geborenen Handwerkersohn. Großen katholischen Denkern des 20. Jahrhunderts galt Scheeben als bedeutendster spekulativer und dogmatischer Theologe der letzten Jahrhunderte. 1935, 100 Jahre nach Scheebens Geburt, bezeichnete Papst Pius XI. den deutschen Theologen als geniale Persönlichkeit und stellte ihn Studenten als Vorbild dar – sowohl als brillanten Gelehrten, aber auch als Menschen eines heiligmäßig geführten christlichen Lebens. Äußerlich betrachtet verlief Scheebens Leben weder abenteuerlich noch gar sensationell.…

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Ludwig Mathar

In einem 1978 erschienenen Beitrag zum 20. Todestag von Ludwig Mathar bezeichnete Walter Reuter den verstorbenen Dichter als „eine der bekanntesten Persönlichkeiten des Monschauer Landes“. Diese Einschätzung war sicher richtig, stellte jedoch gleichzeitig eine erhebliche Unterschätzung von Mathars Wirkungsfeld dar. In den Jahrzehnten seiner schriftstellerischen Tätigkeit vom Ersten Weltkrieg an bis in die Zeit der frühen Bundesrepublik hatte sich der 1882 in Monschau geborene Mathar als Autor weit über den lokalen Rahmen seines Geburtsorts hinaus einen Namen gemacht. Die Gesamtauflage seiner in Buchform veröffentlichten Arbeiten wird auf über 300 000 geschätzt. Grundlegende Angaben zur Biographie Mathars verdanken wir seinem Sohn…

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Albert Lauscher

Obwohl in weiten Teilen des Deutschen Reiches zahlreiche Katholiken lebten, wurde die Deutsche Zentrumspartei von Anfang bis Ende besonders stark von rheinischen Katholiken geprägt. In der Schlussphase dieser Partei, die sich als zentrale politische Kraft des deutschen Katholizismus verstand, zählte der Nordeifler Albert Lauscher zu ihren wichtigsten Führungsfiguren in Preußen. Albert Lauscher kam 1872 in Roetgen, dem südlich von Aachen gelegenen „Tor zur Eifel“, als Sohn des Volksschullehrers Mathias Hubert Lauscher und dessen Ehefrau Anna Catharina Schröder zur Welt. Nach den Angaben des Historikers Dr. Andreas Burtscheidt, der sich bislang wohl am ausgiebigsten mit der Biographie Lauschers befasste, besuchte der…

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Johann VII. von Schönenberg

„Kaum einer der Erzbischöfe hat mit so großer Beschwernis, mit solchem Verdruß und unter solcher Not die Diözese regiert wie Johann“, schrieb der 1639 verstorbene Trierer Priester und Geschichtsschreiber Johann Linden über seinen Namensvetter Johann von Schönenberg. Auch aus eigener Erinnerung wusste Linden, dass in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts fast ununterbrochen widrige Wetterverhältnisse geherrscht hatten, die zu Misswuchs auf den Feldern, Mangel an Brotgetreide, Hunger und Seuchen führten. Johann von Schönenberg gehörte zu denjenigen „ideologisch verblendeten Hexenbischöfen“ (W. Behringer) seiner Zeit, die eine Hauptursache für diese Katastrophen im Wirken von Hexen und Dämonen erblickten. In seine Regierungszeit fällt…

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